Organic Painting von Axel Wagner im Schondorfer Skriptorium

Frühlingserwachen in Andreas Klokers Skriptorium, dem ehemaligen Fremdenverkehrsbüro in der Schondorfer Bahnhofstraße. Kloker hat den Künstler Axel Wagner (https://axelwagner.de/) aus Greifenberg eingeladen, im Schaufenster seine Arbeit Organic Painting zu zeigen. Wagner bezeichnet seine Arbeit als eine „organische Intervention“. Er versteht sie als konsequente Weiterentwicklung der Naturmalerei.

Die Tradition der Pleinair Malerei

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts zogen Künstler aus den Ateliers hinaus in die Natur, um die Landschaft zu malen. Sie arbeiteten Pleinair, also an der frischen Luft. Daraus entstanden einflussreiche Bewegungen wie die Schule von Barbizon oder die Künstlerkolonie Worpswede. Auch am Ammersee wurde fleißig Frischluftmalerei betrieben, wie beispielsweise viele Arbeiten von Paul Paede zeigen (https://studiorose.de/2019/06/01/paul-paede-ein-deutscher-impressionist/).

Stef Müller und Danielschüssler: Pleinairmalerei in Schondorf
Stef Müller und Daniel Schüssler bei der Pleinairmalerei auf dem Ammersee

Später ging es nicht mehr darum, die Landschaft möglichst realistisch abzubilden, sondern die persönliche Empfindung des Gesehenen darzustellen. Es entstanden Landschaftsbilder im impressionistischen, expressionistischen oder abstrakten Stil. Dabei ging es aber immer darum, den Natureindruck auf der Leinwand abzubilden.

Naturmalerei ganz anders

Hier beschreitet der Künstler Axel Wagner aus Greifenberg einen radikal anderen Weg. Er will die Natur nicht auf eine Leinwand bannen, sondern sie bekommt diese Leinwand zur Verfügung gestellt. Bei der Installation im Schondorfer Skriptorium ist es eine Amaryllis, die durch einen Schlitz in der Bildfläche wächst. Axel Wagner nennt das Organic Painting, was tatsächlich den Nagel auf den Kopf trifft.

Die Arbeit "Organic Painting" des Künstlers Axel Wagner aus Greifenberg
Im Skriptorium wächst etwas heran

Wie sich das entwickeln wird, kann man über die nächsten Wochen im Schaufenster beobachten. Ich hoffe, die kleine Blume bekommt genug Licht und Sonne, um ihre Blüte aufgehen zu lassen.

Werk und Künstler

Mir gefällt an diesem Organic Painting, dass der Künstler keine wirkliche Kontrolle über sein Werk hat. Ich muss da an einen Dokumentarfilm über Gerhard Richter denken, den ich vor einiger Zeit gesehen habe. In einer Szene steht Richter im Atelier vor einem seiner Bilder. Der Maler ist sich unsicher, ob es schon fertig ist. Ihm selber gefalle es schon recht gut, meint er, aber er habe das Gefühl, dass sich das Bild noch in eine andere Richtung entwickeln möchte.

Im Schondorfer Ausstellungsraum "Skriptorium" zeigt der Künstler Axel Wagner aus Greifenberg seine organische Intervention "Organic Painting"
„Organic Painting“ ist im Skriptorium in der Bahnhofstraße zu sehen.

Das hat meine Vorstellung vom Künstler, der ein Werk nach eigener Vorstellung erschafft, nachhaltig erschüttert. Die Wechselwirkung zwischen Künstler und Werk ist wohl komplizierter, als ich mir das gedacht hätte. Beim Organic Painting von Axel Wagner ist das auch so. Auch er wird abwarten müssen, in welche Richtung sich sein Werk entwickeln will.

Der Künstler Axel Wagner

Axel Wagner wurde in Hermannstadt/Siebenbürgen (heute Sibiu/Rumänien) geboren. Heute lebt und arbeitet er in Greifenberg und macht mit ungewöhnlichen Aktionen in der ganzen Ammerseeregion und darüber hinaus auf sich aufmerksam. Beispielsweise gehörte er zu den Organisatoren der Aktion Kunst geht baden, mit der das alte Greifenberger Warmbad kurz vor dem Abriss zur Bühne künstlerischer Intervention wurde (Kunst im Schwimmbad).

Der Künstler Axel Wagner tritt gegen die Eckfahne seiner Fußball-Installation Stadion
Axel Wagner an der Eckfahne

In Schondorf erinnern sich vielleicht manche an die Pappkarton-Höhle, die er sich im studioRose gebaut hat (https://studiorose.de/2021/02/21/die-hoehle/). Auch wer nicht in Kunstausstellungen geht, kommt an Axel Wagner nicht vorbei, beispielsweise als er im Rahmen der Fußball-WM 2022 einen original Fußballrasen im Bahnhof Schondorf auslegte. Jetzt stolpert man über seine Arbeit, wenn man in der Bahnhofstraße zufällig am Skriptorium vorbeigeht.

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