Wie ich in dem Beitrag Greifenberg ist wieder erreichbar geschrieben habe, ist die Bahnbrücke an der Schondorfer Moraschstraße reparaturbedürftig. Eine erste Untersuchung empfahl einen Abriss und Neubau. Jetzt besteht aber Hoffnung, dass das schöne historische Bauwerk erhalten bleibt. Inzwischen plant die Gemeinde statt eines Neubaus eine Sanierung der Morasch-Brücke.
Wie bei der Carolabrücke
Die Morasch-Brücke sorgt schon seit einiger Zeit für Unruhe. Anscheinend sind immer wieder kleine Betonteile abgeplatzt und auf die darunterliegenden Geleise gefallen. Klar, dass das der Bahn überhaupt nicht gefällt. Die drängt auf eine Lösung.

Eine erste Untersuchung gab wenig Anlass zur Hoffnung. Man ging davon aus, dass die Stahlarmierung angerostet war. Das ist bei vielen älteren Stahlbetonbrücken ein Problem. Früher wurde oft nur eine recht dünne Betonschicht darübergelegt. Mit der Zeit entstanden Risse, durch die Feuchtigkeit eindrang. Die Stahlarmierung rostete und verlor ihre Festigkeit. Das war wohl auch der Grund für den Einsturz der Carolabrücke in Dresden (https://www.zdf.de/nachrichten/politik/deutschland/carolabrueke-in-dresden-bruecke-einsturz-100.html).
Sanierung statt Abriss
Etwas Ähnliches vermuteten die Planer auch bei der Morasch-Brücke. Sie empfahlen einen Abriss und Neubau. Ich habe den Entwurf nicht gesehen, aber er sah wohl etwas monströs aus. Mitglieder des Gemeinderats meinten, man hätte ihn für eine Autobahnauffahrt halten können.

Zum Glück hat die Gemeinde eine zweite Meinung eingeholt, diesmal von einem auf Altbauten spezialisierten Ingenieurbüro aus München. Die sahen sich das Bauwerk genauer an und stellten fest, dass es gar nicht aus Stahlbeton ist. Die Brücke besteht aus Stampfbetonpfeilern mit einer Betondecke darüber. Kein Stahl, also auch kein Problem mit Verrostung. Die abplatzenden Betonteile sind zwar unschön, gefährden aber nicht die Standfestigkeit.
Der Vorschlag ist nun, die verwitterte Oberfläche durch Sandstrahlen zu entfernen, und eine neue Betonschicht aufzulegen. Eventuell wird darunter noch eine Schicht Carbonfaser eingezogen, um die Tragfähigkeit zu erhöhen. An den Rändern soll die Brücke eine vernünftige Abdichtung bekommen, um das Eindringen von Sickerwasser zu verhindern.
Das Bewährte erhalten
Das schöne alte Geländer soll auch saniert werden. Im Zuge der Arbeiten wird auch die Asphaltschicht abgetragen, und die Planer hoffen, dass darunter die ursprüngliche Pflasterung zum Vorschein kommt. Soweit sind wir aber noch nicht. Jetzt hat der Gemeinderat erst einmal beschlossen, in diese Richtung weiterzugehen und ein Angebot für die Sanierung der Morasch-Brücke einzuholen.

Mir gefällt dieser Ansatz sehr gut. Erstens finde ich, dass viel mehr vorhandene Bausubstanz repariert werden sollte, als ständig neu zu bauen (Der Pritzker-Preis und der Ammersee). Das spart nicht nur Kosten, sondern schont auch die Umwelt. Zweitens finde ich die Morasch-Brücke mit ihren drei Bögen ein wirklich hübsches Bauwerk. Ich habe große Zweifel, ob ein Neubau annähernd so elegant sein würde.
Zu guter Letzt finde ich den Erhalt auch ein Zeichen des Respekts vor der Leistung der damaligen Baumeister. Die haben eine Konstruktion hingestellt, die über hundert Jahre lang gute Dienste geleistet hat. Die in Dresden eingestürzte Carolabrücke war nicht einmal halb so alt.