Der Raumfahrersee

Für die Starnberger ist es der Bauernsee, wir Anwohner dagegen sind stolz, am Künstlersee zu wohnen. Man könnte ihn aber auch den Raumfahrersee nennen, denn der Ammersee hat über Generationen unsere Vorstellungen von Zukunft und Raumfahrt geprägt. Das liegt an der Erdfunkstelle Raisting, aber auch an Jürgen Rogner und Johnny Bruck.

Das Radom in Raisting

Die bekannteste Verbindung zwischen dem Ammersee und dem Weltall ist natürlich das Radom in Raisting. Es ist Teil der 1963 eingerichteten Satelliten-Bodenstation. Bis 2005 nutzte die Deutsche Bundespost (später Telekom) die Antennenanlage für internationale Telefon- und Fernsehübertragungen. Beispielsweise wurden die Bilder von der ersten Mondlandung über Raisting empfangen.

Satellitenantennen am Ammersee
Photo @ Förderverein Industriedenkmal Radom Raisting

Später hat das amerikanische Unternehmen Global Eagle die Anlage von der Telekom gekauft. Die mit einer Traglufthalle geschützte Antenne im Radom wird heute nur noch für Versuchszwecke genutzt. Der markante Raistinger Bovist steht seit 1999 unter Denkmalschutz. Der Förderverein Industriedenkmal Radom Raisting e.V. (http://radom-raisting.de/) kümmert sich heute um die Pflege dieser Ikone des Raumfahrtzeitalters.

Johnny Bruck und sein Perry Rhodan

Johnny Bruck IllustrationEinen noch viel größeren Einfluß auf unsere Vorstellungen von der Zukunft hatte Johnny Bruck aus Herrsching. Er zeichnete über 1800 Titelbilder für Perry Rhodan Heftromane. Die erfolgreichste Science-Fiction-Serie der Welt hat es auf eine Gesamtauflage von rund 1,5 Milliarden Hefte gebracht. Seit der ersten Ausgabe 1961 entstanden die Umschläge in Bruck’s Atelier am Ammersee. Jede Woche kreierte er ein neues Motiv mit Astronauten, Außerirdischen und fremden Planeten.

Alle von Johnny Bruck gezeichneten Titelbilder der Serie finden sich auf Perrypedia: https://www.perrypedia.proc.org/wiki/Titelbildgalerien. Ich kann über den schier unerschöpflichen Einfallsreichtum nur staunen.

Ein makaberes Detail aus Bruck’s Lebenslauf: Angeblich hatten ihm zwei Wahrsagerinnen unabhängig voneinander den Tod bei einem Autounfall vorhergesagt. Bruck war vorsichtig, verzichtete von da an auf das Auto, und fuhr nur noch auf seiner Vespa. 1995 verstarb er bei einem Unfall mit seinem Motorroller. Der Sensenmann lässt sich eben nicht leicht überlisten.

Unser Bild von der Zukunft

Bilder der Zukunft entwarf jahrelang auch der in Dießen lebende Maler Jürgen Rogner. Von ihm stammt auch das Titelbild dieses Blogbeitrags. Anfang der Siebzigerjahre studierte er an der Münchner Kunstakademie und am University College London. Dabei entdeckte er die damals noch neue Airbrush-Technik für sich, und schuf damit phantastische Welten. Seine zeichnerische Begabung erregte Aufmerksamkeit, und er erhielt die ersten Aufträge für die Gestaltung von Buchtiteln.

Mit der Zeit illustrierte er rund 200 Buchumschläge, beispielsweise für Science-Fiction-Größen wie Philip K. Dick oder Isaac Asimov. Wer Ende des 20. Jahrhunderts Bücher über die Welt von morgen las, kam an Rogners Bildern kaum vorbei.

Grafik für Heyne Verlag von Jürgen Rogner
Grafik © Jürgen Rogner

Oft waren seine Illustrationen auch auf der Titelseite der Zeitschrift OMNI zu sehen. Anders als bei Perry Rhodan ging es hier nicht um Schlachtkreuzer im Weltall und Kämpfe gegen Außerirdische.

Das 1978 gegründete Magazin beschäftigte sich mit einer breiten Palette an Zukunftsfragen. Das Spektrum reichte vom Leben im Weltall und der Parapsychologie, bis hin zu auch heute noch aktuellen Themen wie Robotik und Künstliche Intelligenz. Zu seiner Blütezeit veröffentlichte OMNI unter anderem Texte von William Gibson, Joyce Carol Oates oder T.C. Boyle, und erschien in sechs Sprachen.

Heute lebt Rogner als freier Künstler in Dießen. Mit Science-Fiction hat er nicht mehr viel am Hut, aber seinem markanten, klaren Stil ist er treu geblieben (http://www.juergenrogner.de/).

Vom Ammersee ins Weltall

Ob Weltraum, Zukunftstechnologien, Roboter oder Außerirdische: Die Vorstellungen, die wir bei diesen Begriffen unbewußt im Kopf haben, sind zu einem großen Teil hier am See entstanden. In keiner anderen Region wurde eine solche Menge an Zukunftsbildern geschaffen. Der Ammersee ist tatsächlich der Raumfahrersee.

Kommentar

  1. Danke Dir Leopold für die Würdigung der Ammersee Region als Sprungbrett zu den Sternen. Ich habe Mitte der 1970er Jahren des
    vorigen Jahrhunderts schon mal ein Jahr in Diessen gelebt und kann mich erinnern, dass ich die kosmischen Pilze und Schirme von Raisting als Inspiration empfand. Es hat mich immer wieder dort hin gezogen und ich war beeindruckt – je nach Wetter war es spannend und ich war natürlich sehr erstaunt, als vor ein paar Jahren – Sommer 2014, mittlerer weile hatte ich mich wieder hier angesiedelt – dort ein Kornkreis entdeckt wurde. Nun ich bin Pragmatiker und weiss sehr wohl, dass die Installationen der terrestrischen Kommunikation dienen, also kein Abtasten von fernen Galaxien, aber da kommen vielleicht jetzt die Künstler zum Tragen. Für uns gibt es natürlich keinerlei Grenzen und wir feiern so mir nichts dir nichts den „saturday at the edge of the univers“………

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