Ende einer Ära

Nach fast 25 Jahren beendet Michael Sorger seine Tätigkeit als Ausstellungsorganisator im Schondorfer Studio Rose. Über den Umgang mit dem Nachlass von Heinz Rose habe ich neulich schon geschrieben (Kunst kommt an). Ich finde es nicht gut, dass die Gemeinde erst Mitte November entschieden hat, wie es mit der Leitung des Studio Rose ab dem 1. Januar weitergehen soll. Damit hing nicht nur Dr. Silvia Dobler in der Luft, sondern auch Michael Sorger.

Michael Sorger und das Studio Rose

Nun ist die Entscheidung gefallen, Silvia Dobler wird 2020 Leiterin des Studio Rose und damit Michael Sorger ablösen. Der stolperte ursprünglich eher zufällig in die Rolle des Kurators. Eng mit der Familie befreundet, half er Heinz Roses Witwe 1987 bei der erstmaligen Präsentation von Bildern ihres Mannes. Mit der Zeit wuchs er mehr und mehr in diese Aufgabe hinein, bis er die Ausstellungen im Studio Rose selbstständig plante und ausrichtete.

Vernissage Hans Dumler im Studio Rose
Eröffnung der Ausstellung „Hans Dumler – Horizonte“

Der Rückblick auf der Website (http://www.studio-rose-schondorf.de/) listet 164 Veranstaltungen auf. Wahrscheinlich waren es noch ein paar mehr. Die ersten Jahre vor der Erstellung der Website wurden nur stichpunktartig aus dem Gedächtnis rekonstruiert.

Im Archiv finden sich auch mehrere Dutzend Zeitungsberichte über die verschiedenen Ausstellungen. Man sieht daran, welche Breitenwirkung die Arbeit von Michael Sorger im Studio Rose erzielte. Es ist mit Sicherheit ein Imagegewinn für die Gemeinde Schondorf, dass gerade hier die Tradition des Ammersees als Künstlersee lebendig gehalten wurde.

Alte Meister und junge Talente

Sorger hat für das Programm des Studio Rose eine eigenständige Handschrift entwickelt. Man kann da schon von einer eigenen Ära sprechen. Es war ihm immer wichtig, eine Balance zwischen junger und etablierter Kunst zu finden. Das sieht man schon, wenn man sich nur den Rückblick der letzten beiden Jahre ansieht.

Michael Sorger, Maren Martell, Hajo Düchting
Michael Sorger mit Maren Martell und Hajo Düchting

Einerseits wurde der 2017 verstorbene Hans Dumler, einer der profiliertesten Maler der Ammerseeregion, mit einer großen Rückschau gewürdigt. Andererseits bekam hier der junge Marius Polter die Möglichkeit, seine Efeuskulpturen erstmals einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentierten. Anschließend stellte ein Karl Witti im Studio Rose aus, kurz nachdem er den Kunstpreis des Landkreises Landsberg erhalten hatte.

Es gab Malerei, Skulptur, Grafik, Performance und immer wieder Künstler im Dialog. Die Malerin Lea Jade zeigte ihre synästhetischen Bilder zusammen mit dem Tänzer Ugur Uzaroglu, Johannes Hofbauer und Alessandro Serafini setzten ihre Skulpturen und Bilder in einen Dialog, Peter Grochol und Angelika Paschmann präsentierten Malerei, Plastiken und Musik.

Ich höre hier auf, auch wenn die Aufzählung noch lange weitergehen könnte. Über die Veranstaltungen der letzten zwei Jahre habe ich auf der Website des Schondorfer Kreises geschrieben (http://schondorfer-kreis.de/about/ausstellungen/).

Ein verlässlicher Partner

Die Kunstschaffenden folgten gerne dem Ruf nach Schondorf, freuten sich, ihre Arbeiten hier präsentieren zu dürfen. Der Maler Martin Gensbaur erinnert sich schmunzelnd an Sorgers verblüffte Reaktion, als er 2013 einer Einladung ins Studio Rose nicht nachkommen konnte: „Sie sind der Erste, der mir eine Absage erteilt.“ Aber auch Gensbaur ließ sich das Studio Rose natürlich nicht entgehen und zeigte im folgenden Jahr hier seine Nichtorte.

Margarete Bartsch und Lore Kienzl im Studio Rose
Michael Sorger mit Margarete Bartsch und Lore Kienzl

„Michael war mir immer ein verlässlicher Partner, hat alles so organisiert, dass es gut geklappt hat“, sagt die Dießener Malerin Annunciata Foresti. Ein Lob aus berufenem Mund, denn Foresti ist selbst Ausstellungsmacherin in ihrem Atelier im Stellwerk und im Blauen Haus in Dießen.

Offen für Neues

Michael Sorger war offen für Experimente, auch wenn sie ihm selbst vielleicht manchmal seltsam vorkamen. Mir ist da eine Ausstellung der drei Photographen Jürgen Oliver Blank, Reinhard Giebelhausen und Harry Sternberg in Erinnerung. Sie hatten entschieden, an jede der drei Wände jeweils nur ein Bild zu hängen. Bei der Eröffnung meinte Michael Sorger ganz trocken, die drei seien schließlich erwachsene Menschen und würden schon wissen, was sie da tun.

Danke für die schöne Zeit

Michael SorgerAb nächstem Jahr steht das Studio Rose also unter der Leitung von Silvia Dobler. Ich habe großes Vertrauen, dass sie die gewachsene Tradition weiterführt und mit frischen Ideen auch weiterentwickelt. Trotzdem werde ich Michael Sorger vermissen.

Danke Michael, für die tolle Arbeit die Du geleistet hast!

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