Im Schaufenster des Skriptorium in der Schondorfer Bahnhofstraße 38 sind aktuell wechselnde Texte der Künstlerin Gila Prast zu sehen. Es sind kurze poetische Einlassungen zum Thema Wasser und Boot. Prast hat die Lyrik großformatig auf Papier gemalt, sodass sie eine grafische Anmutung bekommt. Es sind sozusagen Text-Grafik-Gesamtkunstwerke. Bis Ende Februar werden die Blätter regelmäßig gewechselt, anschließend ist die Ausstellung noch bis Ende März zu sehen.
Fähre, Wasser, Boot
Auch wenn es im einzelnen Text nicht sofort ersichtlich ist, ist das Bild der Fähre das übergreifende Motiv dieser Serie. Das hat natürlich einen reichen mythologischen Hintergrund, vom Charon, der die Seelen über den Styx bringt, bis zur Naglfar der nordischen Sagen.

Bei Gila Prast spielt auch persönliches Erleben mit in das Thema. Sie erzählte mir, dass sie bei einem Aufenthalt in Volkach praktisch täglich die Mainfähre benutzte. Nicht, um irgendwohin zu kommen, sondern einfach um das Pendeln zwischen den Ufern zu erleben.
Einflüsse von Deleuze und Derrida
Es geht also um Momente des Übergangs. Das hat mit den Fluchterfahrungen von Prasts Familie zu tun, und auch mit ihrem eigenen Wechsel zwischen künstlerischen Ausdrucksformen. Der Philosoph Jacques Derrida hat ausgiebig über solche Passagen nachgedacht, als Nicht-Orte zwischen dem, was nicht mehr ist und dem, was noch nicht ist.
Das impliziert, dass es letztlich unmöglich ist, irgendwo endgültig anzukommen. Mit den Ideen von Derrida und anderen Poststrukturalisten kam Prast in Berührung, als sie in Paris lebte. Von deren Gedankenwelt wurde sie nachhaltig geprägt.

Auch in ihrem eigenen Leben ist Wandlung und Veränderung eine Konstante. Ich lernte Gila Prast ursprünglich als Performance-Künstlerin kennen. Zum ersten Mal wahrscheinlich bei der Aktion Kunst geht Baden in Greifenberg (Nur für immer), später dann bei dem skurrilen Interview mit Micky Maus in der Schondorfer Bahnhofshalle. Damals trat sie noch als Gila Stolzenfuß auf. Ein Name, den sie inzwischen wieder abgelegt hat. Vielleicht hat sie ihn auch nicht abgelegt, sondern nur für den Moment am anderen Ufer zurückgelassen.
Die Unschuld noch nicht verspielt
Eine schöne Beschreibung von Prasts künstlerischem Ansatz fand ich in der Ankündigung ihres Buchs Abschüssige Vorlagerung: „Gila Prast schreibt, als wäre die Welt unerforscht, die Unschuld nicht ausgeträumt oder verspielt“ (http://www.babel-verlag.de/buecher/bprsvorlagerung.html).

Das passt auch zu den Texttafeln im Skriptorium. Mich erinnert Gila Prast da an ein Kind, das am Wasser sitzt und davon träumt, was wohl am anderen Ufer sein könnte.
Dass ihre Lyrik dabei durchaus düstere Untertöne hat, stört dieses Bild nicht. Auch die Gedankenwelt von Kindern ist längst nicht so rosig und heiter, wie uns Kinderbücher vormachen wollen.
Es ist immer wieder ein Erlebnis, zu sehen, was diese „Kloker´s“ so alles bewerkstelligen. Jetzt Gila Prast im Skriptorium – am Dienstag der von Erwin Kloker inszenierte berühmt/berüchtigte Kinderfasching beim Saxenhammer in Hechenwang. Da engagieren sich Jahr für Jahr an die 20 Erwachsene wochenlang für eine Geschichte aus der Geschichte (Diesmal „Die Oper im Urwald“), die dann unter Mithilfe der Kinder am Faschingsdienstag-Nachmittag programmgemäß abgespielt wird. Und das ehrenamtlich – für die eigenen Kinder, die Enkelkinder, kurz für alle Kinder schlechthin. Ob das nun einmalig ist in ganz Deutschland oder nicht, es ist ein Kleinod hier im Ammersee-Lech-Gebiet, das aller Ehren wert ist. Nur Schade, dass man dafür keine Reklame machen darf, denn es ist immer restlos überlaufen. Aber vielleicht dann zum Kehraus für Erwachsene ab 20 Uhr – mal sehen, ob ich mir wieder als Fotoreporter Einlaß verschaffe – Stampa!