Gedenken an Christoph Probst

In der Reihe „Schondorfer Gespräche“ erinnert das Landheim  (https://www.landheim-ammersee.de/) an Personen der Zeitgeschichte. Während der Kreiskulturtage 2017 war das beispielsweise der umstrittene Komponisten Hans Pfitzner (siehe Das Vermächtnis großer Namen). Im Januar ist nun Christoph Probst eine Veranstaltung gewidmet. Im Gegensatz zu Pfitzner hatte sich dieser klar gegen die Nazis gestellt. Er war Mitglied der Bewegung „Weiße Rose“ und wurde am 22. Februar 1943 in München hingerichtet.

Ein politisch wacher Geist

Christoph Probst, Mitglied der Weißen Rose
Christoph Probst 1941 (© Gedenkstätte Deutscher Widerstand)

Probst kommt 1936 an das  Landheim Schondorf, wo er auch abituriert. Das von dem Pädogogen Julius Lohmann gegründete Landschulheim legt Wert auf Hilfsbereitschaft, Respekt, Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Offenheit und Verantwortung. Das passt natürlich nicht zur NS-Ideologie. Hier trifft der politisch wache Probst auf Gleichgesinnte, die sich gegen die Nazis engagieren. Auch der später hingerichtete Widerstandskämpfer Helmuth James Graf von Moltke war hier Schüler gewesen.

In Schondorf lernt Probst seine spätere Frau Herta Dohrn kennen. Deren Vater, Harald Dohrn ist ebenfalls im Widerstand aktiv. Er wird 1945 von einem SS-Trupp erschossen.

Probst behält Kontakt zu regimekritischen Kreisen, auch als  er später in München und Innsbruck studiert. Ab 1943 engagiert er sich in der Gruppe „Weiße Rose“. Heute erinnert eine recht unauffällige Tafel vor der Aula an den ehemaligen Schüler des Landheims.

Familienvater und Widerstandskämpfer

Für Probst war die Situation noch schwieriger als für andere Mitglieder der „Weißen Rose“. Im Januar 1943 ist er Familienvater mit zwei kleinen Söhnen. Sein jüngstes Kind ist gerade geboren worden. Dabei erkrankt seine Frau an Kindbettfieber. Seine Freunde wollen ihn deshalb aus den gefährlichen Aktionen heraushalten.

Probst entscheidet sich trotzdem weiter im Widerstand aktiv zu sein. Er verfasst einen Entwurf für das Flugblatt, das Hans und Sophie Scholl am 18.2.1943 in der Münchner Universität verbreiten. Die beiden werden verhaftet, und man findet bei ihnen das Manuskript. Auch Probst wird festgenommen, und zwei Tage später hingerichtet.

Lesung und Musik

In der Reihe „Schondorfer Begegnungen“ erinnert das Landheim am 28. Januar mit einer Konzertlesung an seinen ehemaligen Schüler. Die Musik kommt vom E.T.A.-Hoffmann-Trio. Dessen Cellist Christoph Probst ist ein Enkel des Widerstandskämpfers. Gespielt werden Stücke von Sergej Rachmaninoff und Ernest Bloch, aber auch weniger bekanntes. Beispielsweise stehen auf dem Programm Kompositionen von Siegfried Fall. Der damals erfolgreiche Fall wurde von den Nazis in das KZ Theresienstadt deportiert, wo er ums Leben kam.

Peter Weiß wird aus Briefen von Probst lesen. Sie geben eine Vorstellung davon, wie schwierig die Situation für den jungen Familienvater war, und wie er trotzdem nicht den einfachen Weg der Anpassung gegangen ist.

 

Schondorfer Begegnungen – Christoph Probst und die „Weiße Rose“

28. Januar 2019, ab 19:15 Uhr
Vortragssaal des Landheim Schondorf
Schondorf am Ammersee
Die Veranstalter bitten um Anmeldung unter landheim@landheim-ammersee.de

Kommentar

  1. Alex Behnke

    Damit ist der Vorschlag für die Umbenennung der Pfitznerstrasse geklärt.
    Wer in Schondorf ein Denkmal am See verdient und wer nicht, ist auch klar.
    Aktion! Auf geht’s liebe Schondorfer…

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