Der Lärmaktionsplan liegt aus

Die Gemeinde Schondorf hat einen Lärmaktionsplan beauftragt. Dessen Ergebnisse liegen noch bis 4. Dezember öffentlich aus. Man kann sich das entweder während der Geschäftszeiten im Rathaus ansehen, oder online unter https://www.schondorf-ammersee.de/bauen-wohnen/laermaktionsplan.

Im Juli letzten Jahres hat der Schondorfer Gemeinderat die Aufstellung eines Lärmaktionsplans beschlossen (Mehr Lebensqualität). Es wurde schon länger vermutet, dass die Lärmbelastung an den viel befahrenen Staatsstraßen durch den Ort ein gesundheitsschädliches Niveau erreicht hat. Für konkrete Maßnahmen reichen aber keine Vermutungen, da braucht es belastbare Zahlen. Diese Zahlen hat nun eine Untersuchung des auf Schalltechnik spezialisierten Ingenieurbüros Accon für die Gemeinde erfasst.

Lärmbelastung der Anwohner

Jetzt wird sich vielleicht mancher Anwohner wundern, warum zu dieser Untersuchung niemand mit einem Schallmessgerät ins Haus oder in den Garten gekommen ist. Das liegt daran, dass der Verkehrslärm entlang der Hauptstraßen bereits bayernweit erfasst ist. Zu sehen sind diese Daten in der Lärmkartierung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (https://www.umweltatlas.bayern.de).

Im Lärmaktionsplan wird auf dieser Grundlage ermittelt, wie stark die Menschen, je nach Lage der Wohnungen zur Straße, von diesem Verkehrslärm betroffen sind. Die Untersuchung in Schondorf kommt zu dem Ergebnis, dass beide Staatsstraßen durch den Ort, also Landsberger und Greifenberger-/Uttingerstraße, Lärmschwerpunkte sind.

Ortsdurchfahrt Schondorf am Ammersee
Schondorf leidet unter Verkehrslärm

Als Maßnahmen empfiehlt das Gutachten eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h. Diese kann die Lärmbelastung der Anwohner um 3 dB(A) verringern. Außerdem gehen die Fachleute davon aus, dass ein solches Tempolimit weder den Verkehrsfluss verschlechtert, noch zu überörtlichen Verkehrsverlagerungen führt. Kurz gesagt: Der Einführung von Tempo 30 im Schondorfer Ortsgebiet steht nichts mehr im Wege. Im Prinzip müssen nur noch die Verkehrsschilder bestellt und montiert werden.

Als weiteren Schritt empfehlen die Fachleute einen sogenannten Flüsterasphalt, der den Autolärm nochmals um rund 2 dB(A) senken würde. Das wäre allerdings keine eigene Baumaßnahme, sondern würde einfach bei der nächsten anstehenden Straßensanierung gemacht werden.

Zehnmal sicherer

Ich freue mich, dass die Anwohner der Staatsstraßen durch diese Maßnahmen weniger Lärmbelastung und damit mehr Lebensqualität bekommen. Noch mehr freue ich mich aber über den „Nebeneffekt“ der höheren Verkehrssicherheit. Mir war dieser Aspekt früher gar nicht klar. Erst seit ich mich mit Tempo 30 in Schondorf beschäftige, verstehe ich den gravierenden Sicherheitsunterschied zwischen Tempo 50 und 30.

Unfälle von Fussgängern bei verschiedenen Geschwindigkeiten
Tödlich verletzte Fußgänger in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit. Quelle: IATSS Research, Universität Lund

Es gibt dazu verschiedene Studien, die ausführlichste wahrscheinlich von der Universität Lund in Schweden: https://www.lunduniversity.lu.se/lup/publication/23e842af-0bbe-4e92-b59f-f889ca6a4ba4

In dieser Untersuchung wurden tausende Unfälle von Autos mit Fußgängern und Radfahrern ausgewertet. Das Ergebnis ist genauso überraschend wie erschreckend. Bei 30 km/h liegt das Risiko einer tödlichen Verletzung klar unter zehn Prozent. Vom Gefühl her würde man annehmen, dass sich bei 50 km/h dieses Risiko in etwa verdoppelt. In Wahrheit steigt die Gefahr einer tödlichen Verletzung aber um das Zehnfache, auf fast 90 %. Für Fußgänger und Radfahrer ist Tempo 30 also zehnmal sicherer, als Tempo 50.

Vorbild Inning

Das Vorbild für den Schondorfer Lärmaktionsplan ist Inning, wo schon seit letztem Jahr auf dieser Basis Tempo 30 im ganzen Ort gilt. Wegen einiger Besuche im Seefelder Krankenhaus hatte ich häufig Gelegenheit, mir selbst ein Bild von der Situation dort zu machen.

Aufkleber Tempo 30
Aus Freiwillig 30 wird verbindlich Tempo 30

Zugegeben, ich hatte bei meinen Fahrten durch Inning nicht die Stoppuhr in der Hand. Gefühlt dauert es mit Tempo 30 aber auch nicht entscheidend länger als vorher, als noch 50 km/h erlaubt waren. Was mir auffällt ist, dass der Verkehr durch den Ort jetzt ruhiger fließt. Die Autos rollen jetzt recht gleichmäßig dahin, wo davor noch viel mehr Stop-and-Go war. So wird das hoffentlich auch in Schondorf funktionieren.

9 Gedanken zu „Der Lärmaktionsplan liegt aus“

  1. Erneut eine völlig überzogene Maßnahme und Gängelung der Verkehrsteilnehmer. Da zeigt sich einmal wieder die typische Verbotskultur der Grünen: Ideologisch statt sachlich: „Lärm-Aktionsplan“ statt „Verkehrssicherheit“. Eine zeitlich begrenzte 30 Km/h-Beschränkung z.B. werktags von 7-17 Uhr wäre als Verkehrssicherheitsmaßnahme wegen der Kinder (Schule/Kindergarten) vielleicht noch argumentierbar – rund um die Uhr ist die 30 Km/h Beschränkung aber völlig unverhältnismäßig und überzogen.

    Der richtige Ansatz wäre die weiträumig Verkehrsführung westlich an allen Gemeinden am Westufer vorbei – aber dazu hat die Gemeinde wohl erneut weder die Weitsicht noch den Mut eine solche (zusammen mit den anderen Gemeinden) auf den Weg zu bringen. ODER haben die Gemeinderäte doch nur Sorge um die Werterhaltung Ihrer Grundstücke/ Anwesen am westlichen Oberschondorder Ortsrand??

    Schondorf ist unzweifelhaft eine Oligarchie (Macht der Wenigen) – die sich solchen und ähnlichen Unsinn ausdenken und auf den Weg bringen … und die Mehrheit schweigt … Zeit aufzuwachen und die Geschicke der Gemeinde in vernüftige Hände zu legen!

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    • Den Lärmaktionsplan kann man als Entlastung der Anwohner oder als Schikane für die Autofahrer sehen, dazu gibt es sicher unterschiedliche Meinungen. Zu verdanken haben wir das aber nicht den Grünen, sondern der bayerischen Staatsregierung. Die hat diese Lärmaktionspläne im bayerischen Immissionsschutzgesetz festgelegt.

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    • Wow! Was man alles in zwei Gedanken packen kann:
      Grünen-Bashing ins Blaue hinein, den Planungen gegen die unstrittige Lärmbelästigung die Sachlichkeit absprechen, den Verkehrssicherheitsaspekt bezüglich unserer Kinder mit „vielleicht“ versehen, was soll man dazu sagen?
      Und die Lösung des Problems? Die wunderschöne Moorlandschaft zwischen Schondorf und Hechenwang soll einer Straße weichen, nur damit weiterhin 50 im Ort gefahren werden darf.
      Und dann wird unterstellt, das passiere nur nicht, weil unsere Entscheidungsträger nichts als Eigennutz im Kopf haben und die Dorfbevölkerung zu tumb ist.
      Ich wäre neugierig auf den Stimmungsumschwung, wenn es Überlegungen gäbe, künftig den Verkehr bei Ihrer Haustür vorbei zu leiten.

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      • Nun, „Bashing“ würde ich das nicht nennen Herr Beck – eher wohlverdiente Kritik an den Machenschaften „unserer Vertreter in der Gemeinde“ und die sind nunmal eher Grün dominiert – hier nur eines von vielen Beispielen:

        https://www.merkur.de/bilder/2022/01/18/91243414/27894848-in-schondorf-am-ammersee-gelten-an-den-seeanlagen-strenge-regeln-1z7a.jpg (==> 12 Verbote auf einem Schild – das ist wahres Heldentum!)

        Auch Unterstellung/en sind in meiner Ausführung nicht enthalten – lediglich die Frage, ob nicht doch Eigeninteressen der, wie Sie schreiben „unserer Entscheidungsträger“ (oder sollten es doch besser Vertreter der Schondorfer Bevölkerung sein!), einmal mehr eine Rolle dabei spielt(en) – und dass die „Dorfbevölkerung zu „tumb“ (??) sei schon gar nicht.

        Es ist leider, wie so oft in einer Oligarchie (Herrschaft der Wenigen), dass es sich die „Vertreter der Wenigen“ immer wieder zunutze machen, dass sich die Mehrheit der Schondorfer (bislang) nicht aktiv eingebracht hat, weil diese wohl mit Beruf und Familie andere Herausforderungen zu meistern haben.

        Zeit für ein „modernes Schondorf für moderne Bürger“ – die nächsten Wahlen sind ja nicht mehr lange hin!

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        • Über Geschwindigkeitsbeschränkungen, Mobilitätswende und Verkehr kann man durchaus unterschiedlicher Meinung sein, und das auch diskutieren. Was mir aber sauer aufstößt, ist die Unterstellung, unsere Lokalpolitik sei eine Oligarchie. Das empfinde ich als Beleidigung unserer Gemeinderäte. Alle Ratsmitglieder und der Bürgermeister wurden in freier, geheimer Wahl gewählt. Es ist kein Klüngel einiger weniger Mächtigen, sondern die von den Schondorfern gewählte Volksvertretung. So etwas nennt man nicht Oligarchie, sondern Demokratie.
          Ich verstehe auch nicht das Argument, die Mehrheit der Schondorfer bringe sich deshalb nicht ein, weil sie mit Beruf und Familie andere Herausforderungen zu meistern hätten. Auch viele Gemeinderäte haben Familie, und die große Mehrzahl steht aktiv im Berufsleben. Ist es nicht eher so, dass sich viele nur deshalb nicht einbringen, weil es bequemer ist, von der Seitenlinie aus zu kritisieren, als selber auf dem Spielfeld zu rackern?

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  2. Ich denke, dass die von Herrn Deboeser hier vorgebrachten Argumente (falls es denn Argumente sind?) nicht unwidersprochen bleiben können. Hier muss ich leider Herrn Gauweiler zitieren, der meinte, „dass es leicht sei eine feste Meinung zu haben wenn man sich im Zustand der völligen Ahnungslosigkeit befindet“. Der Lärmaktionsplan ist, wie Leo Ploner bereits erläuterte, eine Vorgabe der Staatsregierung. Er ist erforderlich um eine durch den Verkehr verursachte Belastung der Bürger nachzuweisen und Möglichkeiten aufzuzeigen, diese Belastungen zu minimieren. Genau das hat der mit der Ausarbeitung beauftragte Gutachter getan. Sein Vorschlag ist die Verringerung der Orts-Durchfahrtsgeschwindigkeit auf Tempo 30. Nun kann man das natürlich auch als Monopol-Meinung bezeichnen, da es ja nur die Meinung eines einzelnen Beraters sei. Sowohl Monopol- als auch Oligarchievorwürfe führen aber zu nichts. Die Grünen (denen ich übrigens nicht angehöre!) haben auch nicht die Mehrheit im Gemeinderat. Sie haben daher auch nicht „Macht“ in Schondorf. Sie haben genau so viele Sitze wie die CSU. Nämlich jeweils 7. Der Gemeinderat hat aber (mit Bürgermeister) 17 Vertreter. Mit 7 (bzw. 8 inkl. Bürgermeister) hat man nicht die Mehrheit im 17-Köpfigen Gemeinderat! Allen Gemeinderäten und auch dem größten Teil der Schondorfer Bevölkerung ist es ein Anliegen, die seit Jahrzehnten ungelöste Verkehrsproblematik endlich zu lösen. Wenn es dazu einer Beschränkung der Durchfahrtsgeschwindigkeit bedarf, fällt vermutlich (fast) niemanden ein Stein aus der Krone. Wenn jemand etwas besseres – und vor allem umsetzbares – weiß, ist er hiermit aufgefordert, dies sachlich vorzutragen. Parteipolitisch eingefärbte Rundumschläge helfen da bestimmt nicht weiter.

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    • Ahnungslosigkeit wird unterschätzt.
      Nichts führt sicherer zu mehr Erfahrung als zu wenig Erfahrung.
      © KarlHeinz Karius (*1935)

      Zunächst möchte ich Herrn Schraml für seinen unermüdlichen Einsatz im Gemeinderat danken. Ohne sein kritisches Hinterfragen wäre sicher viel mehr Unsinn im Gemeinderat beschlossen worden.

      Um etwas zu bewegen, muß man sich manchmal von den lähmenden Fesseln und überkommenen Regeln der Institutionen frei machen, die einen daran hindern über den Tellerrand hinauszuschauen und Sinnvolles für die Allgemeinheit (nicht nur für Wenige) zu tun.

      Mit etwas Mut und gesundem Menschenverstand wäre, auch in Schondorf, Vieles möglich.

      Zeit für einen Neuanfang mit neuen Köpfen – bitte gerne parteiübergreifend!
      Moderne Bürger für ein modernes Schondorf.

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        • Lieber Herr Schraml,

          besten Dank – habe unsere, leider viel zu seltenen Gespräche, immer sehr geschätzt.

          Vielleicht können/sollten wir ja zusammen, mit dem Blick nach vorn, zu einem besseren Gleichgewicht beitragen/sorgen!?

          Ich bin gerne Querdenker (so wie dieser Begriff vor dem Auftreten von Versrchwörungtheoretikern definiert war!) und glaube, dass Reibung manchmal auch die nötige Klarheit sowie Nestwärme für eine gute und effiziente Zusammenarbeit erzeugen kann. Prospektives Denken kann Berge versetzen – nicht immer leicht, kann aber sehr wirkungsvoll sein.

          Ihnen eine besinnliche Zeit & frohe Festtage!

          Achim Deboeser
          0172 670 40 44

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